Rodde als besonderer Lernort

Informationsabend zum jahrgangsübergreifenden Unterricht in Rodde
Auf Einladung des Stadtteilbeirates Rodde fand in der Aula des Teilstandortes Rodde der Canisiusschule am Montagabend eine interaktive Informationsveranstaltung von Eltern für Eltern statt. Es hatten sich 25 Personen vom Stadtteilbeirat, Eltern ehemaliger und auch aktueller Schülerinnen und Schüler sowie Eltern zukünftiger Schulkinder eingefunden. Im Mittelpunkt des Abends stand der offene Austausch über den jahrgangsübergreifenden Unterricht am Standort mit derzeit zwei Klassen 1/2 und 3/4. Fachlich fundiert moderiert wurde der Abend durch Michael Sauerland, der als Vater das Konzept des jahrgangsübergreifenden Unterrichts miterlebt hatte und sich als Schulleiter der Euregio-Gesamtschule in Rheine positiv zu den Schulabgängern aus Rodde äußerte: „Schülerinnen und Schüler aus Rodde werden mit Kusshand an den weiterführenden Schulen angenommen, da sie eigenständiges Erarbeiten von Lerninhalten bereits kennen und sich sehr gut in der Gemeinschaft einfügen.“ Dies konnten auch die anwesenden Eltern von ehemaligen Schulkindern durchweg bestätigen. Nun kam die Frage auf, wie es Kindern mit einzelnen Defiziten oder einer nicht so schnellen Entwicklung beim jahrgangsübergreifenden Unterricht ergehen kann. Diese können gezielt gefördert werden oder verbringen in der Klasse 1/2 ein zusätzliches Jahr ohne „sitzen zu bleiben“. Auch Kinder, die in einzelnen Fächern sehr auffassungsschnell sind, können den Lehrstoff mit Unterstützung der Lehrer schneller durcharbeiten und bleiben somit motiviert und sind nicht gelangweilt im Unterricht. Ältere Schüler können jüngere unterstützen und vertiefen somit selber das Erlernte.
Da der jahrgangsübergreifende Unterricht in Deutschland etwas Exotisches ist, besteht eine gewisse Skepsis wie allem Unbekannten gegenüber. 2019 wurde eine Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg als beste Schule Deutschlands ausgezeichnet. Dort arbeitet man von Klasse 1 bis hin zum Abitur nur noch mit jahrgangsübergreifendem Unterricht und kann dabei sehr gute Abschlussnoten der hochmotovierten Schüler verzeichnen. So könnte die Schule der Zukunft überall aussehen!
Nicht nur ein funktionierender Unterricht ist wichtig für unsere Schulkinder und ihre Familien, sondern auch das passende Umfeld. In Rodde können die Kinder zunächst mit Begleitung und später alleine den Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen und somit ihre Selbstständigkeit im Verkehr üben. Hier kennt jeder jeden und ist hilfsbereit zur Stelle, wenn es einen kleinen Unfall in der Pause oder auf dem Nachhauseweg geben sollte. An der Schule gibt es bereits seit vielen Jahren die Übermittagsbetreuung bis 14:00 in großen Räumlichkeiten und auf dem attraktiven Außengelände und hier besteht eine konstante Nachfrage. Um dem gesellschaftlichen Wandel gerecht zu werden, müsste auch in Rodde eine längere Betreuungszeit angeboten werden können. Es kristallisierte sich im Gespräch heraus, dass Eltern, die eine OGS-Betreuung buchen wollten, von vorneherein den Standort Rodde nicht gewählt hatten, sondern stattdessen eine Grundschule mit bestehendem Angebot aussuchten. Die Abfrage der Stadt Rheine nach erfolgter Anmeldung in Rodde ergab deshalb keine ausreichende Nachfrage. Hier sollte zukünftig vorab eine andere Informationspolitik betrieben werden, zumal nach den Sommerferien der Rechtsanspruch auf die Ganztagsbetreuung an Grundschulen in Kraft treten wird. - Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit für eine längere Betreuung durch eine Tagesmutter in Rodde, was auch nicht jedem geläufig war.
Zum Abschluss der Veranstaltung war man sich einig, dass das Positive am Teilstandort Rodde überwiegt und einfach besser nach Außen dargestellt werden müsste. Dazu trägt nun ein aktuell gedruckter und an Kitas in Rodde, Bevergern und Rheine verteilter Flyer bei. Außerdem wurde die große Bedeutung des Schulstandortes für den Ortsteil Rodde hervorgehoben – sein Erhalt ist für die Zukunft des Dorfes und seine Familien von besonderer Wichtigkeit.
Der Blick richtet sich nun auf die Informationsveranstaltung der Stadt Rheine, die am Mittwoch, den 15. Juli, um 19:00 Uhr in der Mehrzweckhalle der Schule in Rodde stattfindet. Dort besteht erneut die Möglichkeit, sich über die weitere Entwicklung des Schulstandortes zu informieren und Ideen einzubringen.
Text: Friederike Eying
