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Verborgene Raritäten in Roddes Natur

18. Juni 2026

Zur ersten Naturexkursion des Heimatvereins Rodde hatte sich eine kleine Schar Interessierter angemeldet und war samstags nachmittags zum Treffpunkt am alten Bahnhof gekommen. Manuela Wullkotte konnte durch zahlreiche Schulungen beim Kreis Steinfurt ihr Wissen rund um die Natur in unserer Gegend erweitern und ist neuerdings als Biodiversitätsbotschafterin auch für den Heimatverein Rodde im Einsatz.

Zur Einführung gab es kostenlos vom Kreis Steinfurt Infomaterial zu wichtigen Blühpflanzen für unsere heimischen Insekten und einige Samentütchen mit regionalen Sorten. Wildbienen und Hummeln sind stark spezialisiert auf regionale Blühpflanzen und können längst nicht aus jeder Blütenform Nektar saugen. Frau Wullkotte gab Tipps, wie man ein Insektenparadies im eigenen Garten anlegen kann, so dass es „nicht unordentlich“ aussieht. Was passiert, wenn man einen Streifen am Zaun nur zweimal im Jahr mäht? Wicken, Lichtnelken, Flockenblumen, Klatschmohn und viele andere für unsere Insektenarten wichtige Blühpflanzen sind neben verschiedenen Gräsern plötzlich präsent und bieten sogar eine Augenweide, wie sich alle Teilnehmer einig waren.

Mit dem Fahrrad fuhr die Gruppe zu einer ersten Fläche, seiner Form wegen Fingerling genannt und südlich der Roggenbrede gelegen. Diese extensiv genutzte Naturschutzfläche wird regelmäßig beweidet und konnte anhand verschiedener Zeigerpflanzen wie der Sumpfkratzdistel, Sumpfsternmiere, Kuckuckslichtnelke sowie Binsen und Seggen eindeutig als Feuchtgebiet eingestuft werden. Auch das Kleine Labkraut, ein winziger Verwandter des allgegenwärtigen Klettenlabkrauts war dort zu finden.

Auf einer anderen, nahe gelegenen Feuchtwiese konnte man trotz Auffüllung einen ehemaligen Bombentrichter aus dem 2. Weltkrieg eindeutig erkennen. Es war durch die Nähe zum Dortmund-Ems-Kanal nicht immer so friedlich in Rodde wie jetzt. Außerdem sind hier seltene Tierarten wie der Ameisenlöwe, der im Fangtrichter auf seine Beute, Ameisen, wartet und der Steinkauz zu Hause.

Am Straßenrand wurden die Teilnehmer auf ein eher unscheinbares grünes Gewächs hingewiesen, das vor den aktuellen Mäharbeiten durch einige Holzstäbe geschützt wird, nämlich unsere einheimische Orchideenart Breitblättriger Stendelwurz. Das hatte hier bislang noch keiner der Teilnehmer bisher wahrgenommen.

Leider gibt es entlang einiger Feldwege in Rodde als invasive Arten das Indische Springkraut und den Riesenknöterich, die durch ihre gewaltige Samenproduktion und -verbreitung bzw. durch tiefliegende Rhizome heimische Wildpflanzen sehr schnell und effektiv verdrängen. Hier muss der Mensch eingreifen, und durch regelmäßiges Mähen diese invasiven Arten zurückdrängen und am besten entfernen. Einst kamen sie als dekorative Arten und Futterpflanzen nach Europa, aber entwickelten sich in der Natur zum Problem. Der Heimatverein Rodde wird auch hier beim Naturschutz aktiv mitwirken.

Schließlich ging es zum Naturschutzgebiet „Am Braunen Mörken“, das, wie es der Name schon besagt, ebenfalls ein Feuchtgebiet ist. Dank umfangreicher Arbeitseinsätze wurde die Fläche von Familie Wullkotte entbuscht und ist nun wieder als extensive Weide nutzbar, wodurch Lebensraum für viele seltene Pflanzen zurückgewonnen werden konnte. Zur großen Freude der Teilnehmer existiert dort eine viele Quadratmeter große Kolonie des Sonnentaus. Dies ist eine kleine, einheimische, fleischfressende Pflanzenart, die auf nährstoffarmen Böden Insekten fängt und jetzt sogar zarte, weiße Blüten zeigt. Wer hätte das in Rodde vermutet?

Diese erste Naturexkursion war für alle Teilnehmer sehr aufschlussreich und schärfte den Blick für die großen Zusammenhänge, aber auch die Details und es gab wertvolle Tipps, was wir zum Erhalt der Vielfalt beitragen können. Weitere Programmpunkte vom Heimatverein Rodde für Erwachsene, aber auch speziell für Kinder sind geplant.

Text: Friederike Eying